Data Compass
Einführung
Das Wiki für digitale Nachhaltigkeit dokumentiert die Erkenntnisse, die im Netzwerk für nachhaltige digitale Kulturpraxis zusammengetragen wurden. Das Netzwerk wurde von der Prater Galerie initiiert und ist Teil des Jahresprogramms 2024, COPY PASTE WASTE von Prater Digital.
Neben Best-Practices-Beispielen gibt es Tipps und Tricks für den alltäglichen Umgang mit digitalen Ressourcen und weiterführende Links zur vertiefenden Recherche.
Wir sind uns bewusst, dass sich digitale Technologien stetig verändern und weiterentwickeln und somit auch die Inhalte dieses Wikis zeitgebunden sind. Wir laden Sie und euch ein, weitere und neue Erkenntnisse zum Wiki beizusteuern. Meldet euch dafür einfach bei der Prater Galerie unter info@pratergalerie.de.
Jahresprogramm COPY PASTE WASTE
Täglich nutzen wir das Internet über Computer oder Smartphone: E-Mail-Kommunikation, Streaming-Dienste, Online-Banking, Social Media, Messengers, KI-Assistenten sind Teil unseres Lebens. Dokumente, Fotos, Screenshots speichern wir auf Festplatten und in Clouds. Alles läuft wie von selbst, die digitale Welt präsentiert sich uns als unsichtbar, grenzenlos und immateriell. Doch hinter jedem Klick verbirgt sich eine physische Infrastruktur, die Energie schluckt und Emissionen erzeugt. Sie ist global aufgestellt und verzweigt: Erst durch Satelliten, Unterwasserkabel, Router, Rechenzentren, Plattformen und Provider wird es uns möglich, Endgeräte, Apps, Software und On-Demand-Services zu nutzen. Es ist eine richtige Denksportaufgabe, sich diese Verflechtungen zu vergegenwärtigen. Noch schwieriger wird es, wenn man begreifen will, was die Nachhaltigkeit dieses Netzes ausmacht.
Das interdisziplinäre Jahresprogramm COPY PASTE WASTE in Prater Digital stellte die Überproduktion von digitalen Daten in den Mittelpunkt und hatte zum Ziel, Modelle für ein achtsames, digitales Handeln zu entwickeln. Insbesondere ging es uns – neben politischen und strukturellen Lösungen – um Handlungsspielräume für Nutzer:innen im Alltag.
Netzwerk für nachhaltige digitale Kulturpraxis
Zunächst ging es im Netzwerk darum, unsere digitalen Arbeitsstrukturen und Produktionsprozesse zu überprüfen, Problemstellen zu identifizieren und Handlungen zu hinterfragen. Wo werden Daten automatisch gespeichert, wo erzeugen wir selbst redundante Daten? Welche Daten sind qualitativ und sinnvoll zu teilen, welche können entfernt werden? Des Weiteren haben wir Möglichkeiten zur Veränderung gesammelt. Wie können wir wichtige Daten und Inhalte verdichten, vernetzen und sinnvoll speichern? Im Wiki fassen wir die verschiedenen Themen und Aspekte unserer Netzwerktreffen zusammen und hoffen, damit nützliche Hinweise für eine ressourcenschonende digitale Praxis zu geben.
An den Netzwerktreffen nahmen teil: Jan Menden und Sophie Gruber (HAU4), Peggy Schoenegge (peer to space), Alistair Alexander (reclaimed.systems und Gallery Climate Coalition), Barbora Trnková und Tomáš Javůrek (ScreenSaverGallery), Michael Voit (Cleaner Web), Julia Schmelzer (Pylon Lab), Pita Arreola-Burns und Elliott Burns Offsite Project, Team Prater Galerie.
Digitale Nachhaltigkeit
Was bedeutet digitale Nachhaltigkeit?
Digitale Nachhaltigkeit hat viele Ebenen und Bedeutungen. Einerseits können damit Auswirkungen der digitalen Infrastruktur auf die Umwelt und uns gemeint sein, andererseits aber auch das Streben nach einer Digitalisierung, die nachhaltig ist – der Aufbau von Infrastruktur also, die langfristig erhalten werden kann. Auch die Rolle, die digitale Technologien in der Bekämpfung der Klimakrise spielen, kann unter diesen Begriff fallen. Und nicht zuletzt die Frage, wie digitale Güter für künftige Generationen erhalten werden können.
Die Expert Talks des Jahresprogramms COPY PASTE WASTE führten in verschiedene Aspekte des Themas ein. Rainer Rehak unterschied in seinem Input zwischen digitaler Nachhaltigkeit und nachhaltiger Digitalisierung. Valerie Wollinger und Christos Varvantakis von Wikimedia Germany sprachen über die Idee von Open Link Data und den Erhalt von digitalen Gütern.
Wie beim Thema Nachhaltigkeit generell, verschränken sich auch in der digitalen Nachhaltigkeit mehrere Ebenen – ökologische, soziale oder ökonomische. Das heißt, die Nutzung des Internets wirkt sich nicht nur auf das Klima, sondern auch auf Menschenrechte, Wohnraum, nachhaltiges Wirtschaftswachstum usw. aus. Maya Richmann beleuchtete in ihrem Expert Talk das Verhältnis zwischen Internet-Infrastruktur und Digital Rights.
Wie verursacht die digitale Infrastruktur überhaupt Emissionen?
Das Digitale mag zwar ungreifbar erscheinen, ist aber in unserer physischen Welt fest verankert. Digitale Infrastruktur besteht aus Geräten, Gebäuden, Kabeln; aus Metallen, Seltenen Erden, Kautschuk, Plastik, Beton und vielem mehr. Die Produktion und Entsorgung von Endgeräten verursacht den größten Teil der CO2-Emissionen, aber auch der Bau von Rechenzentren verbraucht viel Baumaterial und erzeugt weitere Emissionen. Zudem muss die Infrastruktur ständig mit Strom versorgt werden. Für die Kühlung der Rechenzentren wird sehr viel Wasser benötigt, das sich erhitzt und anschließend in die Natur geleitet wird. Dadurch wird das lokale Ökosystem verändert. Die digitale Infrastruktur verursacht mittlerweile schon fast 4 Prozent der weltweiten CO2- Emissionen – das ist mehr als der kommerzielle Luftverkehr.[1] Mit der rasanten Einführung und Etablierung von KI-Technologien steigt der Energieverbrauch weiter massiv an, sodass digitale Nachhaltigkeit zunehmend eine wichtige Rolle für die Klimabilanz spielt.
Unser heutiges Internet wurde so „gebaut“, dass möglichst viele Daten in ihm fließen. Diese Logik der Datenökonomie bestimmt die gesamte Netzarchitektur, wodurch Energie, Wasser und weitere Ressourcen verbraucht werden. Es ist also die zugrunde liegende Politik, die strukturell Datenüberschuss und damit auch Energieverbrauch fördert. Über die extraktivistischen Logiken der Tech-Unternehmen und deren Folgen für Nachhaltigkeit sprachen wir im Expert Talk mit Joana Moll.
Das Internet ist eine riesige Infrastruktur, die gleichzeitig dezentral verteilt und von wenigen Tech-Unternehmen monopolisiert ist. Wer ist also für die Transformation zu einem nachhaltigen Internet verantwortlich? Dies ist ein strukturelles und politisches Problem, für das die Gesetzgeber:innen und die großen Tech-Unternehmen adressiert werden müssen. Aber schon heute gibt es für User:innen Möglichkeiten, im jetzigen System zu einer nachhaltigeren Praxis zu gelangen. Wie bei allen nachhaltigen Transformationen ist es notwendig, die Kräfte von unten und oben zu bündeln. Deshalb haben wir uns im Netzwerk gefragt, wo wir als Institutionen und User:innen ansetzen können, um etwas zu verändern.
Ganz speziell haben wir uns mit dem Datenverbrauch, den wir durch unser Handeln selbst verursachen, sowie mit unserem Umgang mit überschüssigen Daten beschäftigt.
Impressum
Text: Tereza Havlíková und Katharina von Hagenow; Lektorat DE: Carola Köhler Übersetzung EN: Diana Thun; Übersetzung in Einfache Sprache: Maria Calow; Grafik: Tobias Wenig und Karolina Pietrzyk; Beratung (Digitaler Lotse): Michael Voit; Team Prater Galerie: Lena Prents (Leitung), Sigrid Melchior (Projektmanagement), Marlene Bart, Helena Doppelbauer
Wir danken allen Netzwerkteilnehmer:innen für den produktiven Austausch und fundierten Beiträge, die in dieses Wiki eingeflossen sind.
COPY PASTE WASTE ist ein Projekt der kommunalen Prater Galerie, einer Einrichtung des Bezirksamts Pankow von Berlin. Es wurde freundlich unterstützt durch den Bezirkskulturfonds (BKF), den Ausstellungsfonds für die Kommunalen Galerien der Berliner Bezirke (KoGa), den Fonds Ausstellungsvergütungen für bildende Künstler:innen (FABiK) der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die E.ON Stiftung.
Externe Links:
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